Nachkriegszeit
Wie in der Familienchronik beschrieben, wurden die Weinstuben aus gesellschaftlichen Gegebenheiten 1958 geschlossen. Das Geschäft wurde den Privatbesitzern im Zuge der sozialistischen Umgestaltung aus der Hand genommen. Der Laden und auch die Gasträume wurden von der staatlichen Handelsorganisation «HO» übernommen. Hermann Sommer IV. und seine Frau waren somit Angestellte in ihrem ehemals eigenen Geschäft. Bitter enttäuscht mußten sie mit ansehen, wie die «Renovierung» der Räume erfolgte. Die gesamte Inneneinrichtung wurde einfach entsorgt, z.B. die alte Holzverkleidungen und der schöne Kachelofen, alles mußte Lager- und Wirtschaftsräumen weichen. Die Vertäfelung im Flur und die schönen alten Türen sowie Kleinmöbelstücke (z.B. auch der original Stammtisch und eine Weinstubenbank) konnten noch gerettet werden. Das Ende der Weinstuben war gekommen.
Wie kam es dazu, daß aus der ehemaligen HO-Verkaufsstelle in der Humboldtstraße 2 wieder die traditionellen Sommerschen Weinstuben wurden? Nach der Wende reifte der Entschluß die Familientradition weiterzuführen, und so erlangte Hermann Sommer als gelernter Maschinenbauingenieur gemeinsam mit seiner Frau, die bis dahin als Hebamme arbeitete, den Befähigungsnachweis zum Führen einer Gastwirtschaft. Der Anfang war schwer, Genehmigungen, Behördengänge, Kredit usw...
Aus dem ehemaligen Geschäft wurden der Schankraum und die Weinstubenräume orignalgetreu nachgestaltet. Es wurde der alte Kachelofen wieder errichtet, zu dem auch die echte Bank paßt. Einige Kleinmöbel und vor allem Dekoration aus dem Familienfundus erinnern an die alte Zeit. Als ob nichts gewesen ist, betritt der Besucher das Haus. Jeder Raum strahlt Atmosphäre aus. Die alten Erinnerungen wie Speisekarten, Menüvorschläge und Bilder geben dem Ganzen einen Hauch von Geschichte.