Alfred Ahner zum 20. Todestag
Weimar Kultur Journal Heft 11 November 1993
Alfred Ahner hinterließ aber auch einen umfangreichen und wertvollen schriftlichen Nachlaß, der aufs engste mit seinem künstlerischen Schaffen verbunden ist und zusätzlich Aufschluß zu Leben und Werk gibt. Dieser umfaßt Tagebücher, Briefe, Kritiken, Gedichte und Gedanken sowie autobiographische Schriften, aber auch Aufzeichnungen zur Kunst und zur Politik sowie Skizzenbücher und gezeichnete Postkarten mit erklärenden und ergänzenden Texten. Ein Beispiel ist eine Karte vom 16.03.1942 an seine Tochter, auf der er "Tanno", den Schäferhund der Familie Sommer, Inhaber der bekannten historischen Weinstuben in der Luisenstraße (jetzt Humboldtstraße), in welcher auch Alfred Ahner damals wohnte, in einer Kreidezeichnung festgehalten hat. Er zeigt den Nachbarshund - etwas humorvoll - gleich zweimal, jeweils mit entsprechender Beschriftung: so, wie er als Modell hätte liegen sollen und so, wie er sich tatsächlich hingesetzt hatte. Zwei Jahre später erwähnt der Künstler den Hund, den er oft ausgeführt und mit dem ihn eine besondere Art Freundschaft verbunden hatte, etwas besorgt in einem Feldpost-Brief, den er nach seiner Einberufung gegen Ende des zweiten Weltkrieges am 27.11.1944 an seine Frau und seine Tochter schrieb: "Ihr beiden Lieben! Ich umarme und küsse Euch 1000 mal - abertausendmal! ...Was macht Tanno? Was mag in der Seele dieses Tieres vorgehen, mich nun nicht mehr zu sehen?...".