Seelig bei Sommer's zu allen vier Jahreszeiten

Weimarer Allgemeine 15.02.1997

PROMIS BEI SOMMERS: Eine der ersten Gäste nach der Wiedereröffnung war Großherzogin Elisabeth von Sachsen-Weimar-Eisenach am 16. April 1991. Ihr Kommentar: "Dank für diesen entzückenden Abend"...

...Weimarer Gästebücher (XLV): Dichter, Maler und Bäcker beim Wein...

Gästebücher: Wer blättert darin nicht gern. In Weimar, wo sich die Welt seit Jahrhunderten ein Stelldichein gibt, wurden Gästebücher zu interessanten Dokumenten der Zeit- und Stadtgeschichte. Gebrochen durch die Brille der Besucher. Autor Bernhard HECKER sah sich diesmal in den Gästebüchern von Sommers Weinstuben um.

"Ein gutes Buch ist wie ein guter Wein, Du schlürfst ihn bedächtig in dich ein." So beginnt das längere Gedicht, daß Heinrich Lilienfein im März 1949 ins Gästebuch von Sommers Weinstuben eintrug. Der Schriftsteller und Generalsekretär der deutschen Schillerstiftung war einer unter vielen, die dem Charme des gastlichen Ortes erlagen wie ein paar Jahrzehnte früher ein gewisser Willi Götte: "Wille Götte zum ersten Mal in Sommers Weinstuben und selig. 29.01.1921 abends 10.30 Uhr." Der Familienname der Wirte bot sich geradezu an für Wortspielereien: "Hier ist immer Sommerzeit".

Mit dem Grünstift fiel Bäckermeister Arno Schmidt, der "letzte Hofbäcker", wie üblich aus dem Rahmen. "Ilmathen, 16.11.1919. Es gibt auf Erden ohne Zweifel / Auch heute noch so manchen Teufel, / Und wo ein solcher Teufel haust, / Da findet sich auch noch ein Faust. Arno Schmidt." Der Vierzeiler ist identisch mit jenem, den der skurrile Bäckermeister am 8. Dezember 1926 in Begleitung des falschen Prinzen Harry Domela im Gästebuch des "Goldenen Adler" in der Marktstraße hinterließ (nachzulesen bei Domela in "Der falsche Prinz").

Manche Zeichnung zeugt von der Anwesenheit Weimarer Maler. So porträtierte Peter Woltze den Gastwirt Hermann Sommer II. Franz Huth widmete im Mai 1949 dem kurz zuvor verstorbenen Goethe-Forscher und Stammtischfreund Hans Wahl eine Zeichnung.

Doch meistens spiegeln sich im Gästebuch heitere Seiten. Ein Herr Dr. Busse 1920: "Das schönste Glück auf dieser Welt, ist ein Mädchen, das schön stille hält." Der Nächste hielt dagegen: "Nee, nee, mein lieber Busse, ein bisschen wackeln musse. "Theaterleute kamen oft nach dem letzten Vorhang, so 1949 Rudolf Kempe und Karl Paul: "Wir waren im Capricio vom Straussen, das gefällt mir innen und außen." Kempe dirigierte den "Capricio" von Richard Strauss, Paul sang die Hauptrolle. Der Dirigent brachte es noch zum Chef des Royal Philharmonic Orchestra in London und der Münchner Philharmoniker, während der Bariton seine Karriere vorzeitig beendete.

Nach der Wiedereröffnung 1991 wünschte der Sänger und Entertainer Gunther Emmerich dem gastlichen Haus "Alles Gute!", und die vorletzte Pointe setzte nach seinem Gastspiel im "mon ami" im September 1995 Dieter Hildebrandt. An die Notenzeichnung eines Musikers anknüpfend, reimte er: "Beneidenswert ist ein Paukist, weil er so selten tätig ist, 390 Takte ist er stumm, dann steht es in den Noten: Bumm!"

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