Seit 130 Jahren: Seelige Einkehr bei Sommer's

Thüringer Allgemeine vom 3.4.98

Wer nach Alt-Weimar sucht, kommt auf keinen Fall an "Sommer's Weinstuben" vorbei. Denn seit 130 Jahren kann man hier schon einkehren. Und immer bei Hermann Sommer. Denn zur Tradition gehört es, daß jeder Erstgeborene neben dem Familiennamen auch den Vornamen weiterführt. Dies bereits in fünfter Generation. Montag - zum exakten Jubiläumsdatum - soll das in der Humboldtstraße 2 ganz groß gefeiert werden.

Dokumente, Fotografien, Urkunden und Gemälde beweisen es: Sommers hatte schon immer seinen Reiz, Promis und örtliche Größen gaben sich die Klinke und das Gästebuch in die Hand. Zunächst als Delikatessengeschäft mit Weinstube belieferten Sommers solche Größen wie Franz Liszt und Max Reger, besorgten auch das kalte Büfett zum Empfang von Hindenburg im Weimarer Schloß 1926.

Auch der letzte Hofbäcker Arno Schmidt kehrte bei Sommers ein, ebenso wie Maler und Schauspieler, unter letzteren z.B. Rudolf Kempe und Karl Paul. Kempe dirigierte 1949 "Capriccio" von Richard Strauss, Paul sang darin die Hauptrolle.

Von 1958 bis1991 blieb das Haus geschlossen. Auch Sommers hatte das Schicksal in Gestalt der HO ereilt.Doch nach der Wende nahm Hermann V. den Faden wieder auf. Der gelernte Maschinenbau-Ingenieur setzte sich sich zusammen mit seiner Frau Sabine noch einmal auf die Schulbank, um sich zum Gastwirt zu qualifizieren.   

Offenbar mit Erfolg. Denn auch heute ziehts hier wieder Promis her. Nach Großherzogin Elisabeth von Sachsen-Weimar-Eisenach am 16. April 1991, die "Dank für diesen entzückenden Abend" eintrug, waren dies u.a. der Sänger und Entertainer Gunther Emmerlich und auch Dieter Hildebrand. Er vermerkte mit seiner Frau Renate Küster: "Man kann auch positiv hereinfallen. Wir sind bei Sommers reingefallen. Gute Landung! Wir fliegen Sommers wieder an! Versprochen! Danke!".

Wer Montag zur Jubiläumsfeier anfliegt, wird ein Novum bemerken: Sommers verlangen zehn Mark Eintritt. Allerdings nicht fürs eigene Portemonnaie. Vielmehr soll mit diesem Geld die Sanierung der kostbaren Innenmalerei der Gelmerodaer Kirche unterstützt werden.

[zurück]