Weinstube in der fünften Generation - Hermann Sommer offeriert Gastlichkeit wie zu Ururgroßvaters Zeiten

Die Gastronomie Ausgabe November 2000

Was geschähe, wenn Hermann Sommer bei Hermann Sommer einkehren würde? "Er würde staunen, dass sich in seiner Weinstube kaum etwas verändert hat", ist Hermann Sommer überzeugt. Jetzt in der Adventszeit würde er seinem Ururgroßvater Gänsekeule mit hausgemachten Klößen empfehlen. Dazu einen Müller-Thurgau, den er erst kürzlich auf Schloss Proschwitz eingekauft hat.

In drei kleinen Stuben im Hochparterre sind die Dielen blank gebohnert wie schon vor 132 Jahren, die Wände mit dunklem Holz vertäfelt. Ein leichter Hauch Patina und sanftes Kerzenlicht verbreiten Gemütlichkeit. Vor zehn Jahren beschlossen Hermann Sommer und Ehefrau Sabine, die Familientradition fortzusetzen. "1958 wurden meine Eltern enteignet und das Unternehmen durch die HO übernommen", berichtet der gelernte Maschinenbauingenieur. "Das historische Inventar haben die Betreiber entfernt. Meine Eltern bewahrten zum Glück einige Tische und Bänke und so manches Erinnerungsstück auf", so Hermann Sommer. Nachdem das Eigentum 1990 an die Familie zurückgegeben worden war, gestalteten die Sommers der fünften Generation die Räumlichkeiten nach historischen Fotos.

Franz Liszt, Max Reger und andere Prominente waren einst Stammkunden. In der Weinstube verkehrten Künstler und Hochschullehrer. Hermann Sommer III. setzte dann aufs "Catering". Seine Stadtküche, die er neben dem Geschäft und der Weinstube betrieb, lieferte das Büfett zum Empfang des Reichspräsidenten Hindenburg im Jahr 1926. Auch die Bühnenbälle des Nationaltheaters wurden regelmäßig von der Firma kulinarisch begleitet. 1991 wurden "Sommer's Weinstuben und Restaurant" wieder eröffnet. "Nach der Wende gab es in Weimar viele Besucher und noch wenige Gaststätten", erinnert sich der Inhaber, der sich in einem Fachlehrgang für das Metier seiner Vorfahren fit gemacht hatte. Kein Wunder, dass die gemütliche Gaststätte rasch zum Geheimtipp für gutes Frühstück, Mittag- und Abendessen avancierte.

Freunde des Hauses wissen es zu schätzen, dass sie unter vier Sorten Fassbier und etwa 30 Rebensäften wählen können. Insbesondere Weine aus dem Saale-Unstrut-Gebiet und aus Sachsen sind bei Touristen begehrt. Für Kenner liegen im Keller noch wenige Flaschen mit original Raidinger Lisztwein, einem blaufränkischen Tropfen aus der Geburtsstadt des Komponisten. Zwei Köchinnen verwöhnen die Gäste gerne mit deftigen Gerichten. Thüringer Gerichte wie Rinderroulade und Lammgulasch sind in "Sommer's Weinstuben und Restaurant" geradezu obligatorisch.

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