Museum mit Speis und Trank: Kunst in der Kneipe - Sommer's Weinstube präsentiert Alt-Weimar
Weimarer Allgemeine 28.02.2001
Weimars Gaststätten haben nicht nur ihre Geschichte, sie haben meist auch ihr unverwechselbares Flair. Sie hatten Originale unter ihren Gästen, haben Originale an der Wand. Thüringer Allgemeine-Autor Bernhard Hecker spürt in der neuen Serie "Kunst in der Kneipe" nach und beginnt bei "Sommer's Weinstuben".
"Unsere Gemälde, Zeichnungen und Fotografien stammen alle aus dem Familienbesitz", ist Hermann Sommer V. stolz. Alt-Weimar ist in seiner Weinstube präsentiert wie in wenigen anderen gastlichen Stätten. Daran erfreuten sich nicht nur Dieter Hildebrandt, Gunther Emmerlich, das japanische und das finnische Fernsehen. Begeisterte Besucher der jüngeren Vergangenheit waren Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Sienas Oberbürgermeister Pierluigi Piccini und die Schauspieler Thomas Thieme und Andreas Schmidt-Schaller. Porträtfotos von Größen des Weimarer Theaters zieren denn auch die Wände: Lotte Mücksch, gefeierte Aida der 50er Jahre, die durch den Freitod endete, und Elfriede Quadteutsch, die Isolde in der legendären Aufführung von Wagners Musikdrama unter Hermann Abendrohth in der Nachkriegs-Weimarhalle. Andere Porträts zeigen Alfred Ahner, den Stammgast und Malerkollegen Walther Klemm.
Größter Blickfang an der Wand der Künstlerporträts ist das große Wartburg-Bild von Peter Woltze. Dieser Weimarer Maler porträtierte Hermann Sommer II., den Ururgroßvater des heutigen Wirtes, in einem alten Gästebuch. Woltze (1860 - 1925) schuf jene Serie von Aquarellen, von der es in Askan Schmitts "Weimar von A bis Z" heißt: "Das Bilderwerk Woltzes ‚Das klassische Weimar' bringt zwölf prächtige Architekturbilder aus klassischer Zeit, die man öfter in Gastwirtschaften und Gasthöfen sieht." Sommer's sind wohl das letzte Lokal mit dieser Bilderserie.
Nicht minder eindrucksvoll sind die beiden großen historischen Fotos im Thekenraum, die das Delikatessengeschäft um die Jahrhundertwende und den Hof mit gestapelten Waren abbilden, und ein Gemälde, das die Enkelin eines Apoldaer Wirtes Sommer's schenkte. Im April feiert Hermann Sommer V. zehnjähriges Jubiläum der Wiedereröffnung eines Traditionslokals mit Museum - oder eines Museums mit Speis und Trank.